
Tap, tap, tap, tap. Vier mal nach Norden. Tap. 90 Grad Drehung. Ein weiterer langer Gang erstreckt sich in diese Richtung. Die letzte Fackel die uns bis hier hin geleitet hat flackert noch einmal auf, und dann wird es dunkel. In der Ferne hört man ein Tapsen. Spinnen. Nicht schon wieder Spinnen. Während die Biester alleine wenig Probleme bereiten, werden sie im Rudel zu einer tödlichen Gefahr. Und dann noch die Dunkelheit. Der Magier wendet seine letzten Reserven auf um Licht herbeizuzaubern. Von vorne sieht man die Spinnen näher kommen. Rückzug. Das ist das einzige woran man jetzt denken sollte. Schnell noch einen Pfeil in Richtung der Spinnen abgeschossen und erst einmal in sichere Gefilde zurückziehen.
Legend of Grimrock ist eines dieser Spiele bei dem man immer auf der Hut sein muss. Nicht nur weil die Gegner selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad absolut tödlich sein können, nein auch weil man auf Dinge wie Licht oder Nahrung achten muss. Dazu kommen dann noch Fallen, und Rätsel aller Art.
Ich will euch jetzt nicht mit Vergleichen langweilen, weil dies ungefähr schon jeder andere Review des Spiels getan hat. Ja, es ist ein sogenannter Dungeon Crawler. Wer bei AD&D Spielen mehr auf die Kämpfe als auf das Rollenspiel drumherum Wert gelegt hat wird hier umfangreich bedient.
Story gibt es kaum. Nur so viel. Vier Gefangene werden per Luftschiff auf einen Berg verfrachtet und dort in ein Verlies gestoßen. Sollte die Flucht gelingen, wird die Strafe erlassen. Das dies vorher noch niemanden gelungen ist sollte selbstredend sein.
Man startet das Spiel entweder mit einer vorgefertigten Gruppe, oder legt sich selber eine vierköpfige Truppe an. Zur Auswahl stehen vier Rassen und drei Klassen. Beachten sollte man hierbei das die Formation im Quadrat fest vorgeben ist. So sind die beiden in vorderer Reihe stehenden Charaktere im Nahkampf wenn ein Gegner vor der Gruppe steht, während die beiden in der hinteren Reihe befindlichen im Fernkampf sind. Dies hat Auswirkungen auf die Zusammensetzung. So sollte man die stofftragenden Magier nicht unbedingt in die erste Reihe stecken, da ein Treffer mit einer Ogerkeule durchaus die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen kann. Nicht das Kämpfer viel mehr aushalten.

Neben verschiedenen Attributswerten die Auswirkung auf Trefferpunkte, Schaden und andere Dinge nehmen, gibt es noch Perks, von denen jeder Charakter zwei wählen darf, sowie Skills die klassenspezifisch sind. So können Krieger mit Skills stärkere Rüstung ohne Abzug tragen oder spezielle Angriffe mit verschiedenen Waffen erlernen. Beim Magier gilt es unter anderem zu überlegen ob man diesen spezialisieren sollte, z.B. Eismagie, oder ihn von allem etwas können lassen sollte.
So steht man auf der obersten Ebene, halb-nackt, und ohne Waffen, und muss sich erst einmal orientieren. Man läuft etappenweise mit den WASD-Tasten, mit QE dreht man sich um 90 Grad, und mit R rastet man. Ein rechtsklick auf die Hände der Charaktere führt einen Angriff oder eine Aktion aus. Hat ein Kämpfer ein Schwert in der Hand haut er damit zu. Beim Magier hingegen wird auf ein Runensystem gesetzt was zusätzlich durch die erforderlichen Skills erschwert wird. Zu Beginn kennt man keinen einzigen Zauberspruch, und wenn man in die falschen Skills investiert hat, kann man diese sofern man sie denn denn findet nicht mal erfolgreich nutzen.
Wie bereits erwähnt ist das Spiel alles andere als einfach. Während man im ersten Level noch an die Spielmechanik rangeführt wird, und selbst beim Kämpfen erst einmal auf harmlose Schnecken trifft, zieht es nach dieser Einführungsphase doch merklich an. Mehr Gegner, die auch mal gerne einkreisen und somit entweder gleich den Tod der Gruppe bedeuten oder eine enorme Schwächung, dazu alle paar Meter ein Rätsel, oder ein Versteck. Zu tun gibt es genug, und auch wenn man die Automap in den ersten Level nicht braucht, ist es doch beruhigend zu wissen das es die Funktion gibt. Allerdings ist man bei der Menge an Teleportern dann doch eher auf seinen eigenen Orientierungssinn angewiesen.
Legend of Grimrock ist ein Spiel für Spieler der alten Schule. Die mit Dungeon Master und Eye of the Beholder aufgewachsen sind. Mit Spielen, die einem nicht alles auf einem Silbertablett servieren, sondern in denen man um jedes Fitzelchen Anerkennung kämpfen muss. Dies wird vielen jüngeren Spielern zu weit gehen. Das man auf Nahrung achten muss hat zum Beispiel Auswirkung auf das Verhalten im Spiel. Solange man vorankommt ist Nahrung kein Problem, da viele Gegner Fleischhappen droppen. Durch die Knappheit kann man allerdings nicht alle Zeit der Welt damit vertrödeln, doch diese blöde goldene Tür auf zu bekommen, oder an die tolle Waffe die hinter diesem Gitter aufblinkt.
Aber gerade diese Elemente können herausfordernd sein, wenn man sich darauf einlässt. Legend of Grimrock ist für mich eines dieser Spiele die man schaffen möchte. Auch wenn man ab und an frustriert die Maus in die Ecke knallt und das Spiel ausmacht. Nachdem man sich beruhigt hat ist das Fieber dann wieder da. Und für weniger als 15 Euro kann man hier wirklich nichts falsch machen. Wer eine Herausforderung sucht und auch nur im entferntesten was mit Rollenspiel und Hack and Slay anfangen kann sollte hier zugreifen. Zumal die Entwickler versprochen haben einen Editor nachzuliefern mit dem Fans eigene Level, Maps und co erstellen und verbreiten können.