Damals War Alles Besser. Oder, Warum Ich Keine Spielemags mehr lese

Damals, in der Steinzeit, da war alles besser. Da gab es noch kein Internet. Alles was man von Spielen wusste hatte man aus Spielzeitungen wie ASM oder Happy Computer, oder von Freunden die das Spiel schon hatten. Spielzeitschriften waren eine wichtige Informationsquelle.

Und heute? Heute ist das anders. Selbst Tageszeitungen schaffen es nicht mehr mit dem Internet mitzukommen, die Nachrichten von gestern sind genau das, alt. Aber Spielemags wie PC Games oder Gamestar kommen nicht einmal am Tag, sondern einmal im Monat raus. Was die schreiben, zumindest der größte Teil, ist veraltet. Selbst exklusive Previews oder Vorberichte sind nicht wirklich exklusiv, wenn man ähnliche Berichte auf hunderten von Internetseiten ebenfalls lesen kann, und das zumeist Tage wenn nicht sogar Wochen bevor sie in dem Magazin zu lesen sind.

Die Magazine sind nicht aktuell, das wäre damit geklärt. Nun könnte man ja versuchen einen Mehrwert zu liefern den das Internet nicht bietet. Beispiel gefällig? Recherchen und Hintergrundberichte zum Beispiel. Aber nicht den 08/15 Crap den man überall liest, sondern interessante Dinge. Von mir aus auch ne Story wie ein Entwickler damals zu C-64 Zeiten ein Spiel herausgebracht hat. Das liest man nirgendwo sonst.

Die Reviews der Spiele sind mehr oder weniger austauschbar. Viel Blah, ein oder zwei Meinungen und das war es. Viel zu subjektiv das Ganze und nicht mehr zeitgemäß. Da kann auch die Redaktionskonferenz wo mehrere Redakteure ihre Spielwertungen zu getesteten Spielen abgeben nichts ändern.

Da lob ich mir Seiten wie Metacritics, wo die Wertungen von vielen Zeitschriften und Onlineseiten einfließen und auch die User zu Wort kommen.

wertung

Klar ist auf Englisch und nicht jedermanns Sache, gibt aber in der Regel die Eindrücke besser wieder als eine Einzelwertung eines Magazins.

Es sind aber nicht einmal primär die Reviews die mich stören. Zum Einen gibt es immer offensichtlichere Kooperationen. Da wird ein altes Spiel eines Herstellers als exklusive DVD-Beigabe groß angekündigt, und im Mag liest man dann über das nächste – bestimmt ganz tolle – Spiel eben dieses Herstellers. Zufall? Mag sein, aber diese Dinge häufen sich in letzter Zeit. Eine Hand wäscht die Andere, kennt man ja.

Leserbriefe. Noch so ein Teil den man heutzutage nun wirklich nicht mehr braucht. Klar, ist günstig zu produzieren und die PC Games hält ja eisern an dem auf witzig gemachten vier oder wasweissichwieviel Seiten fest. Damals haben mich nur Komplettlösungen von Spielen über zig Seiten mehr am Sinn oder Unsinn von Spielzeitschriften nachdenken lassen. Aber die sind ja mittlerweile aus vielen Mags komplett raus, Gott sei dank.

Also wenn ich aufräumen dürfte bei einem der verbliebenen großen Spielmagazine, dann würde meine Top 5 so aussehen:

  • Raus mit Leserbriefen, Komplettlösungen und anderem Kladderadatsch und dies online eingliedern oder ausbauen.
  • Mehr Hintergrundinformation, Berichte, Reportagen. Z.B., ein Spiel von der Entwicklung bis in den Handel begleiten, Entwicklung damals / heute, Was macht eigentlich der xyz von damals.
  • Kritischer berichten, mehr hinterfragen, weniger glauben, strenger werten.
  • Review eines oder mehrerer älteren Spielklassiker. Warum nicht nochmal Diablo 2 anspielen und aus einer heutigen Perspektive bewerten. Macht es noch genauso viel Spaß? Mehr? Weniger?
  • Mehr Verknüpfung zwischen Mag und Online, z.b. Quicklinks zu einem Diskussionsforum, Blog oder was auch immer.

Und nun werf ich den Ball zu euch. Lest ihr noch Spielzeitschriften? Wenn ja warum, wenn nein warum?

One thought on “Damals War Alles Besser. Oder, Warum Ich Keine Spielemags mehr lese

  1. Jonas

    Also irgendwie ist das schon bedauerlich – aber auch genau das, was ich im Laufe der Jahre mal feststellte… Früher konnte man sich auf die (unabhängigen) Urteile noch verlassen, aber heute frage ich mich bei jeder zweiten Bewertung, ob das ihr Ernst ist.

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