Die nahe Zukunft…
Meine Sinne sind benebelt. Ich kneife meine Augen zu kleinen Schlitzen zusammen und versuche vergebens gegen das beissend grelle Licht anzukämpfen. Stimmen aus dem Off parlieren. Ein Brei sonorer Besorgnis dringt an mein Ohr. Gemurmelte Wortfetzen, keine artikulierten Sätze. Setze ich die einzelnen Teile des Puzzles zu einem vollständigen Ganzen zusammen so katapultiere ich mich geradewegs eine in höchst absurde Interpretation meiner Befindlichkeit. Die legendäre wie einzigartige Diagnose: WoW-08, nicht in der Lage Warcraft Emotionen zu empfinden. Oh, toll.
Und dafür der verschwenderiche Aufwand. Dann kann ich ja jetzt gehen. Gehen geht nicht.
Wortlos registriere ich den Ernst meiner Lage. Allmählich hat mein Sehnerv die Lichtherausforderung angenommen und bestätigt was der müde Rest meines Körpers bereits vermutete. Fixiert. Auf einer Liege in einer stiril unheimlichen Anstalt, die wir aus diversen Hollywood Streifen kennen und uns geschworen haben, sie nie von innen sehen geschweige denn erleben wollen.
Eigentlich habe ich doch alles in meiner Macht stehende getan um eben nicht als pathologisch oder psychisch verdächtig zu gelten. Einzig der Gedanke an den Stich der Nadel für die Infusion grün leuchtender Flüssigkeiten hat ausgereicht um mich ruhig zu stellen, mich zu einem humanistischen Menschen zu erziehen. Sicherlich waren da exzessive Rollenspielerfahrung, aber ich bin ansonsten ein moralischer Bürger, ein kleines, aber gewissenhaft arbeitendes Rädchen in der Maschinerie des alltäglichen Wahnsinns.
Schweiß perlt in Rinnsälen von meiner Stirn. Es muß sich um einen Traum handeln, und wenn nicht um einen Traum dann wenigstens um ein Misverständnis. Der Versuch mich wenigstens verbal zu wehren schlägt fehl, meine Zunge pendelt steif durch meinen trockenen Mund, findet keinen Halt, versagt. Statt Fragen zu stellen gebe ich gurgelnde Geräusche ab die ungehört im Nichts verschwinden.
Die überdurchschnittliche Aktivität meines Hirns lässt augenblicklich alle um mich herumstehenden Gestalten verstummen. Sie sind so ruhig wie ihre Mäntel weiß. Offenbar wird mein Körper rundum bewacht, jede Annormalität wird aufgezeichnet. In Form von schrillen Alarmsignalen wird meine Umgebung über meine geistige wie körperlicher Konstituion unterrichtet. Aus dem Nebel des ärztlichen Kollektivs zeichnet sich eine Silhouette klarer ab.
Mein Blick wandert über das Namensschild, WoW Task Force, Prof. Dr. U. Boon, zur ausdrucklosen Mine des Klischees eine Nervendoktors. Seine Haare sind im Laufe seines langjährigen Studiums menschlicher Psychologie vom Kopf ins Gesicht gewandert. Falten prägen seine Stirn zeigen auf seine Nase auf der ein runde drahtige Brille sitzt. Billiges Modell, denke ich mir, aber erfüllt seinen Zweck. Ich habe das Gefühl, als würde der WoW Doktor vor seinem geistigen Auge aus meinen Synapsen ein Muster legen und daraus lesen. Er stellt mich auf den Prüfstand ohne mit mir zu sprechen, liest meine Gedanken. Mein Leben ein offenes Buch. Hilfe!!!
Schließlich öffnet Prof. Dr. Boon seinen Mund. “Sie sind ein Exot, ein sehr interessanter Fall.” Er senkt seine Stimme als wolle er dem Nachfolgenden mehr Bedeutung verleihen. “Sie weigern sich nach wie vor zu spielen. World of Warcraft zu spielen. Wir sprechen von einem Präzedenzfall. Wir wollen wissen wie sie es geschafft haben trotz eines perfekten Marketingkonzepts und breit angelegter Beeinflussung durch ihre Freunde standhaft zu bleiben.”
Nachfolgend zählt er Fakten auf, zitiert Statistiken, die die Genialität der World of Warcraft Idee unterstreichen. All das donnert unregistriert an mir vorbei,wie ein vorbeirasender Schnellzug bis er mit einem Satz schließt der mich wieder aus meiner lethargischen Langweile reisst. “Sie bleiben für die nächsten Wochen hier. Wir werden sie beobachten… (wird fortgesetzt)
Ich muß gestehen, du hast mich erwischt. Ich bin darauf reingefallen und habe mich schon gefreut…vielleicht eine intelligente und amüsante Geschichte über diese Computer-Spielsüchtigen, die in einer Klinik landen? Aber stattdessen? Eine dunkle Zukunftsvision?
Wenn so unsere Zukunft aussieht, dann wird das hier:
“Die überdurchschnittliche Aktivität meines Hirns” wohl bald der Vergangenheit angehören.
Oder tut es das schon?
Bin stolz ein “Exot” zu sein…auch wenn man dadurch immer öfter nicht enden wollenden uninteressanten Gesprächen über fremde Welten lauschen muß…die einfach keinen Sinn ergeben.
Mittlerweile scheint der “nicht”-Spieler zum Exoten zu werden. Vor ein paar Jahren war dies noch gänzlich anders.
und wie sieht es wieder in ein paar Jahren aus? wenn die Entwicklung so rasant weiter geht möchte ich darüber fast gar nicht nachdenken…vielleicht sollten wir schon mal anfangen neue Suchtkliniken zu bauen
I still remember, a long time ago, when I was the “Exot” playing computer games. Now it’s the other way around; I almost never play but everyone else seems to do. Of course it takes a lot less effort to have fun, be a appreciated or even a hero, and meet people in a [world where everything is short-term and you can always escape accountability or start over again] than in the “real” world. And does it really matter? Both worlds end up as electric pulses in the central nervous system anyway.
The ones that make a problem out of it are the new Exots, me included. I once ran onto a guy who travelled half way through the Netherlands because the role playing game he played was only played by about ten people. The only thing I could think then was: “Why don’t you just play a popular game?”. So, when in some years time I have to travel huge distances to meet people that still live and play in the real world, maybe I’ll say the same to myself “Why don’t you just play a popular game?”.
Can*t say anything more or better
guess, i just agree!
And i hope you*ll find a good answer
Haha. Ich lese der ganzen Text ins Deutsch and du antworts aufs English?
ehm… den ganzen Text?
Öh….tschuldigung. Gewohnheit
.
Warum antwortest du auch auf englisch?
(den ganzen Text)
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